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Akutes
Budgetkürzen: reicht das?
Deutsche
Unternehmen reagieren momentan auf dramatische Ergebnisseinbrüche mit
Ad-Hoc-Maßnahmen wie Budgetkürzungen und Reorganisationen. Eine Studie von
Dr. Helbig & Partner zeigt, dass das als Weg aus der Krise nicht reicht.
Nachholbedarf besteht u.a. bei der systematischen Erschließung von
Potentialen in Vertrieb und internen Prozessen. Die in ertragreichen Jahren
vielfach vernachlässigten systematischen Managementmethoden und -prozesse
fehlen nun im Arsenal der Reaktionsmöglichkeiten. An die
täglichen Meldungen über Ergebniseinbrüche bei Großunternehmen haben wir uns
gewöhnt. Waren anfangs die IT- und Telekommunikationsindustrie und
Finanzdienstleister betroffen, so hört man heute Hiobsbotschaften aus allen
Branchen, wie z.B. der Medienindustrie, dem Maschinenbau oder der
Automobilindustrie. Die
veröffentlichten Maßnahmen der Unternehmen deuten dabei in den seltensten
Fällen auf Strategien zur Unternehmensneuausrichtung, Optimierung von
Prozessen oder des Geschäftsportfolios hin. Dagegen werden Kürzungen von
Budgets für Marktkommunikation, Vertriebsprovisionen,
Das sind
kurzfristige und notwendige Schritte zur Stabilisierung, keine Frage.
Mittelfristig besteht aber die Gefahr einer Verschärfung des Problems das
Unternehmen gesund aus der Krise zu führen. Unterbleiben notwendige
Prozessoptimierungen wg. fehlender Budgets und laufender Reorganisationen
und fehlen Mittel für Marktkommunikation, hat das unmittelbar Auswirkungen
auf den Umsatz.
Erfolgreiche
Unternehmen kombinieren daher kurzfristige Maßnahmen mit einer
mittelfristigen Strategie zur dauerhaften kontinuierlichen Steigerung von
Leistungspotenzialen. Einigen wenigen Unternehmen ist es sogar gelungen,
diese kontinuierlichen Verbesserungen auch in Boom-Zeiten durchzuführen;
entsprechend gering sind deren Problemen in der momentanen Rezession. Die aktuelle
Studie der Hamburger Unternehmensberatung Dr. Helbig & Partner hat die
Unternehmen dabei in vier unterschiedliche Stufe unterteilt, je nach
Reaktionsmethodik auf Unternehmenskrisen.
Die einfachste
Stufe erreicht haben die so genannten „Reagierer“, die immerhin fast
40% aller Unternehmen ausmachen. Das ausgeprägte Controlling/- und
Planungssystem dieser Unternehmen erlaubt es, die Plan/Ist-Abweichungen
detailliert zu verfolgen, nach budgetierten Kostenarten und Umsatzgruppen
unterteilt, unterstützt durch ERM-Systeme (Enterprise Ressource
Management).Weichen die Ist-Werte zu stark von den budgetierten Werten ab,
dann kann auf den verschiedenen Führungsebenen ein Analyse- und
Neuplanungsprozess angestoßen werden. Dieser erfolgt systematisch aber oft
nur einmal im Jahr, unterjährige ad-hoc-Maßnahmen sind natürlich nicht
ausgeschlossen. Ein derartiger
Management-Prozess und Maßnahmenkatalog reicht in der gegenwärtigen Krise
nicht aus. Der eklatanteste Nachteil ist, so zeigt die Befragung von Dr.
Helbig & Partner, dass viele Manager der Abteilungsleiterebene diese
Planungsprozesse generell eher als Pflichtübung empfinden. Sie versuchen mit
eigenen operativen Maßnahmenprogrammen gegenzusteuern. Die unvermeidbare
Konsequenz: diese operativen Maßnahmen sind nicht in den Führungs- und
Planungsprozess integriert und erfahren so wenig Unterstützung innerhalb des
Unternehmens. Einen Schritt
weiter sind die „Value-Optimierer“, denen 25% der Unternehmen
zuzuordnen sind. Diese Unternehmen haben es geschafft, in ihren
strategischen Planungsprozessen über die reine Budgetplanung hinaus eine
langfristig orientierte Ergebnisbewertung in ihren Führungsprozessen zu
verankern. Trigger für Managementscheidungen sind nicht mehr Abweichungen
bei einzelnen Budgetarten, sondern vielmehr integrierte Bewertungsgrößen und
Werttreiber. Zur Einführung der Wertorientierung sind „Balanced Scorecard“
und „EVA“ die Tools, die Unternehmensberater empfehlen.
So gut diese
am Unternehmenswert orientierten Ansätze klingen, scheitern sie doch häufig
an praktischen Details. Fast alle IT-Systeme stammen meist noch aus der Zeit
der Budget-Planungsphase, wertorientierte Ansätze werden nur ungenügend
abgebildet. Werden zu komplexe Ansätze zur Wertorientierung gewählt, dauert
eine Systemumstellung Jahre oder scheitert gar.
60% der
mittleren Manager finden die zur Berechnung verwendeten Werte in ihrem
Tagesgeschäft nicht wieder, die unteren Managementebenen können zudem mit
Begriffen wie „EVA“ oft wenig anfangen. Als Konsequenz reißt der
systematische Führungsprozess über alle Ebenen unterhalb der oberen Ebenen
des Managements ab und wird zu einem reaktiven Prozess. Hinzu kommt, dass
die üblicherweise bei der Berechnung von Unternehmenswerten verwendeten
Cash-Flow-Verfahren einige erhebliche Inkonsistenzen aufweisen, was zu
erratischen Ergebnissen führt, wie viele Analysten in den vergangenen Jahren
schmerzlich lernen mussten. Auf der nächst
höheren Stufe auf dem Weg zu einem optimalen Managementprozess sind
Unternehmen angekommen, die man als „Performance-Optimierer“
bezeichnen kann. Die Führungsmethodik orientiert sich hierbei an der
operativen Erschließung von Potenzialen. Strategische Maßnahmen werden nicht
ohne den Einbezug operativer Verbesserungen ergriffen. So werden z.B. nicht
zum Konzern passende Tochterunternehmen erst nach einer erfolgreichen
Sanierung verkauft. Das dominierende Führungsinstrument sind operative
Kennzahlen, die direkten Einfluss auf den Geschäftserfolg beinhalten.
Leistungssteigerungsprogramme sind die Regel, oft mit der Unterstützung von
hierauf spezialisierten Beratungsunternehmen. Die „Performance-Optimierer“
haben damit nicht nur einen Schulterschluss zwischen Top-Management und
operativer Ebene erreicht, sondern bringen auch Strategie und Tagesgeschäft
in Einklang. Die Kür der
Unternehmensführung haben erst Unternehmen erreicht, die „Dauerhafte
Optimierer“ genannt werden können. Diese Unternehmen haben das
kontinuierliche Identifizieren von Umsatz- und Prozesspotentialen fest in
ihrer Führungsmethodik verankert und arbeiten nicht mehr mit
Verbesserungsprojekten. Zu den eingesetzten Tools gehören ein
Zielmanagementprozess*, internes Benchmarking und Management Process
Automation*. Die Erarbeitung des Maßnahmenkatalogs wird über Ampel- und
Kennzahlensysteme gesteuert. Das geht bis hin zu kontinuierlicher
Weiterbildung und Coaching der Mitarbeiter, die mit Leistungsanreizen
gekoppelt werden. Viele der eingesetzten Methoden sind aus
Produktionsbetrieben bekannt („kontinuierliches Qualitätsmanagement“, „six
Sigma“) und haben in Dienstleistungs- und Serviceunternehmen erst in den
letzten Jahren Beachtung gefunden. Leider wurden bereits erfolgreich
eingeführte systematische Verbesserungsprozesse in den Boomjahren wieder
vernachlässigt. So ist es erklärlich, dass momentan nur etwa 10% der
Unternehmen die Krise aus ihrem laufenden Geschäft heraus meistern. „Ohne eine
tief greifende Veränderung der Führungs- und Steuerungsprozesse ist eine
weitere Leistungssteigerung und damit Rückkehr zu zufrieden stellenden
Erträgen nicht erreichbar“, resümiert Dr. Thomas Helbig von Dr. Helbig &
Partner. Die meisten Unternehmen der Stufen „Reagierer“ und „Value-Optimierer“
haben die Realisierung erster Leistungssteigerungspotenziale in den
vergangenen Monaten beschlossen und teilweise auch erschlossen. Das kann
allerdings nur ein Anfang sein. * Zielmanagement und Management Process Automation sind von Dr. Helbig & Partner entwickelte integrierte Methoden zur Leistungssteigerung in großen Organisationen. |
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